Jagdstrecke in Hessen

Kommentar Jahresjagdstrecke 2016/2017

Rotwild- und Rehwildstrecke weiter steigend, Schwarzwildstrecke rückläufig, Waschbär- und Fuchsstrecke massiv zurückgegangen

Download: Streckenliste Hessen 2016/2017 (PDF)

Die Rotwildgesamtstrecke ist im zweiten Jahr wieder leicht ansteigend. Damit einhergehend hat sich auch die Fallwildstrecke wieder leicht gesteigert. Mit der jetzt vorliegenden Gesamtstrecke von 7.190 Stück Rotwild wurde das vorgegebene Soll von 7.480 Stück nicht erfüllt. Die reine Jagdstrecke betrug dabei 6.938 Stück. Die Zusammensetzung der Strecke erreicht dabei grundsätzlich die vorgegebene Geschlechterverteilung. Das jetzt das Abschusssoll nicht erreicht wurde, mag darin begründet sein, dass man aufgrund der letztjährigen Übererfüllung des Abschusssolls die Vorgabe für das Jagdjahr 2016/2017 zu hoch angesetzt hat.

Nach wie vor gilt es jedoch zu beachten, dass das Rotwild in großräumigen Lebensräumen zu bewirtschaften ist, jedoch punktuell und revierbezogen erhebliche Unterschiede in der Bestandshöhe liegen können.

 

Schälschadenserhebung

Laut HessenForst konnte sich bei der Schälschadenserhebung in 2016 der letztjährige Rückgang der Schälschäden in jungen Buchenbeständen auf 0,9% nicht bestätigen und stieg auf den bislang höchsten Wert von 1,6 % seit Einführung des neuen Schälschadensverfahrens in 2008 an.

In der Fichte blieb das Schadniveau mit 2,4% (in 2015 2,6%) nahezu unverändert. Die Toleranzgrenzen von 0,5 % in der Buche und 1 % in der Fichte werden damit insgesamt erneut deutlich überschritten.

Auf die Rotwildgebiete bezogen werden die Schadgrenzen in der Buche lediglich in acht Gebieten und in der Fichte in fünf von insgesamt 24 Gebieten eingehalten.
(Quelle: HessenForst)

Auch aufgrund der jetzt bei HessenForst vorliegenden Zahlen zur Schälschadenserhebung kann und darf es nicht sein, dass man eine Überschreitung der vorgegebenen Toleranzgrenzen im Rahmen der Schäle ausschließlich zum Anlass nimmt, von überhöhten Rotwildbeständen zu sprechen und damit die Sollzahlen zur Erlegung weiterhin erhöht; um dann möglicherweise vorgegebene Sollzahlen, wie jetzt im Jagdjahr 2016/2017, nicht zu erfüllen. Eine Erhöhung der Schälschäden ist nicht immer mit einer Erhöhung des Bestandes gleichzusetzen. Es wird aber immer bedeutsamer werden, zu berücksichtigen, in welcher Form Waldwildschäden entstehen, wenn Großraubsäuger zurückkehren und sich das Verhalten des Wildes verändert. Wenn dann entsprechende Großrudel entstehen, muss man auch gewillt sein, die Schäden, die dann durch die Rückkehr der Großraubsäuger bedingt sind, genauso zu tolerieren, wie man die Rückkehr der Großraubsäuger begrüßt.

Lebensraumgestaltung für das Rotwild

Von entscheidender Bedeutung zur Minimierung von Schälschäden ist darüber hinaus die Lebensraumgestaltung unseres Rotwildes. Insoweit bieten die immer weiter platzgreifenden Entwicklungen von Lebensraumkonzepten an Bedeutung.

So wird in Hessen das Rotwild in speziell ausgewiesenen Rotwildgebieten in regionalen Rotwildhegegemeinschaften bewirtschaftet. Das Rotwild hat sich dabei von einer rein jagdlich betrachteten Art zwischenzeitlich zu einer „Leitart“ des Artenschutzes, auch über Hessen hinaus, etabliert. Ausdruck davon geben die unter der Leitung des LJV Hessen seither erarbeiteten und systematisch fortgeschriebenen „Gebiets-Lebensraum-Konzepte“ in mehreren Rotwildgebieten.

Nachdem in den Jahren 2008-2010 der „Rotwildring Meißner-Kaufunger Wald“ den Vorreiter machte und seither mehrere Fortschreibungen vorlegte, sind nun im „Gieseler Forst“ (bei Fulda) und im Bereich „Wattenberg-Weidelsburg“ (bei Wolfhagen) und im Lahn-Bergland weitere Projekte in Arbeit bzw. Endabstimmung. Weiterhin ist der LJV auch im Bereich der Rotwildhegegemeinschaften als Koordinator für die Kommunikation und den Austausch der Hegegemeinschaften untereinander zuständig. Mit Spannung wird ein weiteres Projekt zur Frage der genetischen Vielfalt beim Rotwild in Hessen erwartet, über dessen Verlauf und die Ergebnisse dann gesondert berichtet werden wird.

Rehwildstrecke

Die Rehwildstrecke setzt auch im Jagdjahr 2016/2017 den Trend ansteigender Zahlen fort. Sowohl in der Gesamtstrecke als auch in der reinen Jagdstrecke mit der Waffe. Dabei ist interessant, dass das vorgegebene Soll durch die Jagd selbst nicht erreicht wird, sondern bereits auch wie in den beiden Vorjahren erheblich hinter dem Erlegungssoll zurückbleibt. Diesbezüglich muss man zur Kenntnis nehmen, dass eine Sollerhöhung grundsätzlich nur sinnhaft ist, wenn auch die Möglichkeit besteht, diese zu erfüllen. Wenn hingegen das Erfüllen nur mit möglichen Fallwildzahlen einhergeht und dabei dann eine Übererfüllung erfolgt, stellt sich die Frage, ob die Zahlen noch anwendbar sind. Insoweit sei darauf hingewiesen, dass in Regionen mit starken Naturverjüngungen, gepaart mit der Rückkehr des Luchses, sich die Bejagung des Rehwildes immer schwieriger gestaltet. Soweit sich dabei der Luchs etabliert hat, muss dies auch bei der Abschussplanung mit berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollte der Rehwildabschuss verstärkt auf Verjüngungsflächen konzentriert werden, verbunden damit, dass in anderen Flächenbereichen dann kein so starker Eingriff notwendig ist. Unser Rehwild verdient eine Bejagung, die sich nicht ausschließlich an der Höhe der Abschusszahlen zu orientieren hat. Auch beim Rehwild gilt es Sozialstrukturen zu beachten und nicht „Zahl vor Wahl“ als einziges Kriterium zu etablieren. Nachdem nunmehr mit der neuen Jagdverordnung die Bejagung des Rehbockes bis zum 31.01. verlängert worden ist, und in diesem Jagdjahr erstmals zur Anwendung gekommen ist, kann festgehalten werden, dass derzeit nicht feststellbar ist, dass eine Übererfüllung der Bockjagdstrecke einher gegangen ist. Dies spricht bisher für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Jagdzeit und dem uns anvertrauten Wild. Nach wie vor muss gelten, dass die Jagdzeitenverlängerung beim Rehbock nicht dazu führen darf, das Wild vor dem Schuss nicht mehr geschlechtsspezifisch angesprochen wird.

Schwarzwildstrecke

Bekanntermaßen schwankt die Schwarzwildstrecke von Jahr zu Jahr. Dies hat sich im Jagdjahr 2016/2017 wieder gezeigt, indem die Strecke gegenüber dem Vorjahr (69.507 Stück) auf 62.365 Stück zurückgegangen ist. Dieser Rückgang ist erhöhter Ansporn und Verpflichtung die Bejagung des Schwarzwildes weiterhin erfolgreich durchzuführen. Die Devise heißt hier mehr als je zuvor, das Schwarzwild scharf aber waidgerecht zu bejagen. Das weiterhin verschiedene Landkreise nicht mehr an dem Programm teilnehmen, die Trichinengebühr bis 20 kg zu erlassen, wirkt damit kontraproduktiv. Bedauerlicherweise sieht hier auch das Land Hessen auch auf Nachfrage und Hinweis durch den LJV Hessen keinen Bedarf an einer Wiedereinführung. Im jetzt laufenden Jagdjahr dürfte sich die Schwarzwildstrecke wiederum steigern, da der letzte Winter zu keinen größeren Verlusten geführt hat. Hier sei jedoch an die Gefahren der Europäischen Schweinepest und aktuell der Afrikanischen Schweinepest (ASP) erinnert. Die Gefahr der ASP ist extrem hoch und wir können unserem Schwarzwild nur dadurch helfen, dass wir es so intensiv wie möglich bejagen. Der LJV Hessen hat hierzu auch ein entsprechendes Merkblatt herausgegeben. Es sind unbedingt die großräumigen Bewegungsjagden zu nutzen. Je geringer der Bestand ist, desto größer ist die Chance der ASP noch zu entgehen bzw. eine Ansteckung zu erschweren. Die Freigabe sollte, außer unter Berücksichtigung der gesetzlichen Grundlagen, keiner Einschränkung unterliegen.

Bei der Bejagung eines gesunden Bestandes vertritt der LJV Hessen die Auffassung, dass die sinnvolle Kombination von großräumigen Bewegungsjagden und der Einzeljagd weiterhin maßgebliches Kriterium sein muss.

Einzeljagd an der Kirrung

Bei der Einzeljagd kommt der Jagd mittels Kirrung eine erhebliche Bedeutung zu, soweit dies die natürlichen Gegebenheiten unter jagdpraktischen Gesichtspunkten zulassen. Soweit in Gebieten von HessenForst mit regelmäßigem Rotwildabschuss die Kirrjagd auf Schwarzwild insgesamt jetzt seit mehreren Jahren nicht mehr ausgeübt werden darf, ist jedoch nicht erkennbar, dass ein Rückgang der Schälschäden eintritt und sich der Schwarzwildbestand reduziert. So hat auch die letzte Schadenserhebung wieder gezeigt, dass die Schälschäden nicht zurückgegangen sind.

Das Verbot der Kirrjagd wurde damit begründet, dem Ruhebedürfnis des Rotwildes und damit einer positiven Beeinflussung der Schälschadenssituation Rechnung zu tragen.

Unabhängig von den aktuellen Schälschadenserhebungen muss der Fokus darauf liegen, das Schwarzwild auch auf den landeseigenen Waldflächen extrem scharf zu bejagen. Dies scheint jedoch  nicht überall der Fall zu sein, da nach wie vor insbesondere Ansitzjagden auf Rotwild, mit Beginn der Jagdzeit, durchgeführt worden sind, wo ausdrücklich kein Schwarzwild freigegeben wurde. Dies erscheint höchst bedauerlich, da alles daran zu setzen ist, den Schwarzwildbestand zu minimieren. Unter Berücksichtigung der ASP ist es durchaus abzuwägen, einen erhöhten Schälschaden in Kauf zu nehmen und damit einen möglicherweise immensen volkswirtschaftlichen Schaden durch die ASP zu verhindern. Die Devise kann daher nur lauten, dass auch bei gemeinschaftlichen Ansitzen auf Rotwild vorkommendes Schwarzwild bevorzugt zu erlegen ist; auch wenn dadurch die Strecke beim Rotwild geringer ausfallen könnte.

Niederwild

Die Jahresjagdstrecke im Bereich unserer klassischen Niederwildarten unterliegt ebenso erheblichen Schwankungen. So ist im abgelaufenen Jagdjahr die Streckenzahl im Bereich der Stockente erheblich eingebrochen, was jedoch mit der zur Jagdzeit vorhandenen Geflügelpest und der Einstellung der Jagd zu begründen ist. Dabei bleibt festzuhalten, wie auch in der Vergangenheit ermittelt, dass die Fallwildzahlen ebenfalls die Höhe der Jagdstrecke in Bezug auf die Steigerung widerspiegeln und aufzeigt, dass die Besätze stabil sind und die Bejagungsintensität äußerst verantwortungsbewusst und nachhaltig ausgeübt wird.

Die Bejagungsintensität und die Maßnahmen zur Erhaltung der Niederwildbesätze basieren dabei auf den seit mehr als 20 Jahren erfolgten Erfassungen der Besätze in den beteiligten Revieren. Insgesamt hat damit die Jägerschaft bereits praktisch das angewandt, was nunmehr durch die Jagdverordnung als Monitoring festgeschrieben wurde. Die Ergebnisse des Monitorings beim Hasen haben eindeutig belegt, dass der Hase in Hessen weder gefährdet noch bedroht ist und das Zahlenmaterial der vergangenen Jahrzehnte auch einer wissenschaftlichen Betrachtung standhält. Die Jägerschaft wird sich dabei auch weiterhin bestmöglich um das ihr anvertraute Niederwild, aber auch die weiterhin nicht bejagbaren Arten des Offenlandes kümmern und eine bestmögliche Hege betreiben. In diesem Zusammenhang sei angefügt, dass auch die Niederwildhegegemeinschaften sich nunmehr mit entsprechenden Lebensraumgutachten beschäftigen, wobei dies beispielhaft die Hegegemeinschaft Wiesbaden Ost, in Zusammenarbeit mit dem LJV Hessen, vorlebt.

Raubwildbejagung

Festzuhalten ist, dass nach wie vor die Raubwildarten erhebliche Verluste bei den Feldhasen und Bodenbrütern verursachen. Unter den Gesichtspunkten des Artenschutzes und der Biodiversität ist daher eine intensive Bejagung notwendig. Durch die neuen eingeschränkten Jagdzeiten bei Fuchs und Waschbär wird dies jedoch konterkariert. Im ersten Jahr der anzuwendenden neuen Jagdzeiten ist dabei die Fuchsstrecke um 11.209 Stück zurückgegangen; beim Waschbär um 6.331. Dies ist ein herber Verlust für den Naturschutz. Punktuell hat die Oberste Jagdbehörde aufgrund dieser Problematik zum Schutz des Feldhamsters und weiterer bedrohter Arten des Offenlandes zunächst Ausnahmegenehmigungen von der Jagdzeiteneinschränkung erteilt. Sinnvoll wäre es nach wie vor, hier wieder zu den alten Jagdzeiten zurückzukehren, damit dem Artenschutz zu helfen und den Verwaltungsaufwand zu reduzieren.

Inwieweit sich die jetzt gegen sämtliche Sachargumente eingeführten Einschränkungen bezüglich der Bejagung der Prädatoren auf unsere Besätze des Niederwildes langfristig auswirken, wird mit großem Interesse zu beobachten sein.

Die von den vielen Jagdvereinen und Hegegemeinschaften veranstalteten kombinierten „Fuchs- und Krähenjagdtagen“ sind dabei ein probates Mittel der Prädatorenreduktion was jedoch nicht darüber hinweg täuschen darf, dass in der sensiblen Zeit der Aufzucht eine Bejagung der Jungprädatoren grundsätzlich nicht mehr möglich ist.

AM

 

Archiv Jahresjagdstrecken

 
 
Streckenliste für das Jagdjahr 2014 – 2015
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