CWD in Deutschland: Warum Monitoring jetzt wichtig ist – Podcast-Interview mit FLI-Expertin

Die Chronic Wasting Disease (CWD) – auch chronische Auszehrkrankheit – ist eine Prionkrankheit, die wiederkäuendes Schalenwild betreffen kann. Weltweit wird sie seit Jahrzehnten intensiv beobachtet, weil sie sich in betroffenen Regionen dauerhaft etablieren kann. In Europa gibt es seit 2016 Nachweise in Skandinavien. Für die Jägerschaft ist das Thema deshalb besonders wichtig: Früherkennung, richtiges Verhalten bei auffälligem Wild und eine verlässliche Überwachung sind entscheidend, um Risiken realistisch bewerten zu können.

Welche Wildarten sind betroffen – und welche nicht?

Im Fokus von Forschung und Überwachung stehen bei uns vor allem Rotwild, Rehwild und Sikawild. Diese drei Wildarten kommen in Deutschland flächig oder regional vor und sind für die aktuelle CWD-Surveillance besonders relevant.
Das Damwild spielt nach aktuellem Kenntnisstand in der CWD-Überwachung keine zentrale Rolle; im Fokus stehen Rotwild, Rehwild und Sikawild.

Was ist CWD – und warum ist das so relevant?

CWD gehört zu den transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE). Auslöser sind Prionen, also fehlgefaltete Proteine (keine Bakterien oder Viren). Die Erkrankung verläuft langsam, ist nicht therapierbar und endet für die betroffenen Tiere tödlich. Ein zusätzlicher Grund zur Aufmerksamkeit: Prionen gelten als sehr stabil und können in der Umwelt lange infektiös bleiben. Genau deshalb ist es so wichtig, eine mögliche Ausbreitung früh zu erkennen und zu verhindern.

Podcast: CWD verständlich erklärt – Interview mit Dr. Sonja Ernst (FLI)

Zur Einordnung des Themas gibt es ein ausführliches Gespräch im Podcast Jagdtalk (zur Episode): Markus Stifter spricht mit Dr. Sonja Ernst vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), die das Projekt WiLiMan-ID wissenschaftlich begleitet. Im Interview geht es um die wichtigsten Grundlagen zu CWD – verständlich und praxisnah: Was Prionen sind, welche Symptome auftreten können, wie die Diagnose erfolgt und warum die Mitarbeit der Jägerschaft beim Monitoring so wichtig ist.

FLI bittet um Unterstützung: WiLiMan-ID und CWD-Surveillance

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bittet erneut um die Mithilfe der Jägerschaft: Im Rahmen des Projekts „WiLiMan-ID“ soll die Ausbreitung der Chronic Wasting Disease (CWD) in Deutschland untersucht werden.

Bereits vor einigen Jahren konnte das FLI dank zahlreicher eingesandter Proben wichtige Erkenntnisse zur Empfänglichkeit von Reh-, Rot- und Sikawild gewinnen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Teil der heimischen Schalenwildpopulation höchstwahrscheinlich anfällig für CWD ist. Die Krankheit, die zunächst ausschließlich in Nordamerika aufgetreten ist, wurde inzwischen auch in neuen Varianten in Skandinavien nachgewiesen. Dort ermöglichte die sofortige Einführung einer aktiven Überwachung ein frühzeitiges Eingreifen in den CWD-Ausbruchsgebieten und trug so maßgeblich zur Eindämmung bei – insbesondere in den betroffenen Rentierherden.

Um die Situation in Deutschland zuverlässig einschätzen zu können, startet das FLI nun eine aktive Surveillance (Überwachung) während der laufenden und kommenden Jagdsaison. Besonders gefragt sind Proben von adultem Rot-, Reh- und Sikawild aus allen Bundesländern.

Probennahme: Das wird benötigt

Benötigt wird eine kleine Menge (etwa 1 g) Gehirn oder verlängertes Rückenmark, möglichst ergänzt durch Lymphknoten. Die Entnahme ist mit einem schmalen Löffel durch das Hinterhauptsloch unkompliziert möglich und erfordert kein Aufsägen des Schädels.

Das FLI stellt auf Anfrage passende Probengefäße bereit und bietet zudem einen übersichtlichen Leitfaden zur Probenentnahme sowie eine vorbereitete Liste zur Kennzeichnung an.

Wichtiger Hinweis: Ohne die Mithilfe der Jäger ist diese Studie nicht realisierbar. Jede eingesandte Probe trägt entscheidend dazu bei, die Gefahrenlage besser einzuschätzen und wirksame Maßnahmen entwickeln zu können.

Kontakt am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)

Für Rückfragen stehen die Ansprechpartner am Friedrich-Loeffler-Institut telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung. Auch Fortbildungsveranstaltungen zum Thema CWD werden bei Interesse angeboten.

Wir bedanken uns schon jetzt herzlich für Ihre Unterstützung!