Achtung: Wildunfallgefahr steigt nach Zeitumstellung rapide an

Rehe sind im Frühjahr die häufigsten Opfer des Straßenverkehrs. Knapp 14.000 Zusammenstöße mit Hirschen, Rehen und Wildschweinen gab es im vergangenen Jagdjahr 2023/2024* laut der hessischen Jagdstreckenliste.

Pressegrafik: Frühjahrsfalle für den Rehbock, Quelle: DJV
Pressegrafik: Frühjahrsfalle für den Rehbock, Quelle: DJV

Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher. Mildere Temperaturen und das frische Grün locken die Wildtiere auf Offenlandflächen. Der Stoffwechsel der Tiere stellt sich um, die Nahrungsaufnahme steigt, dies führt zu häufigeren Wildwechseln. Außerdem suchen sich junge geschlechtsreife Rehböcke eigene Reviere und werden dabei häufig von „Platzböcken“ vertrieben. Durch die Umstellung auf die Sommerzeit spitzt sich die Wildunfallgefahr zusätzlich zu.

Nach der Zeitumstellung am 30. März 2025 wird es eine Stunde später hell und die Zeit des morgendlichen Wildwechsels verschiebt sich in die Hauptverkehrszeit. Besonders risikoreich für Mensch und Tier sind die Morgenstunden zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr. Aber auch am Abend zwischen 21.00 Uhr und 23.00 Uhr besteht ein erhöhtes Wildunfallrisiko. Wie eine Auswertung von über 21.000 Datensätzen des Tierfundkatasters aus den Kalenderjahren 2018 bis 2023 darlegt, passieren im April und Mai jeweils mehr als doppelt so viele Wildunfälle wie noch im März.

„Wie die Statistik die Erfahrung der Jägerinnen und Jäger zeigen, kommt es insbesondere mit Rehen im April und Mai sehr häufig zu Verkehrsunfällen. Die einjährigen männlichen Tiere (Jährlingsböcke), die gerade geschlechtsreif geworden sind, werden auf der Suche nach einem eigenen Territorium (Revier) oft von den älteren Platzböcken vertrieben. Deshalb laufen die jungen Rehböcke häufig unvermittelt und hochflüchtig auf die Fahrbahn. Auch das frische Grün auf den Wiesen lockt die Rehe, die im Winter über im ‚Energiesparmodus‘ leben, oft über gefährliche Straßen. Die längere Tageshelligkeit aktiviert zudem den Stoffwechsel der Tiere. Dies führt zu einer häufigeren Nahrungsaufnahme und einem damit verbundenen Wildwechsel“,

so LJV-Pressesprecher Markus Stifter.

Der Landesjagdverband Hessen e. V. gibt Tipps, wie Autofahrer ihr persönliches Wildunfallrisiko reduzieren können und was zu tun ist, falls es doch zu einem Zusammenstoß mit einem Wildtier kommen sollte. Einen Ratgeberfilm sowie eine Broschüre für das Handschuhfach.

Aktuelle Erhebung zu wildunfallträchtigen Streckenabschnitten

Nach einer Erhebung im Rahmen der „Flächendeckenden Erfassung“ im Jahr 2023 haben 37 % der teilnehmenden Jagdpächter angegeben, dass in ihrem Jagdrevier ein Streckenabschnitt mit einer besonders hohen Wildunfallhäufigkeit liegt (mehr als fünf Wildunfälle pro Jahr mit Schalenwild). Insgesamt wurden 748 Jagdpächter befragt, davon konnten 275 Pächter einen Streckenabschnitt mit erhöhtem Wildunfallvorkommen identifizieren. Im Mittel wurden acht Wildunfälle pro Jahr angegeben.

Service

Wie kann ein Wildunfall verhindert werden?

  • Geschwindigkeit entlang von unübersichtlichen Wald- und Feldrändern reduzieren.
  • Besonders gefährlich sind neue Straßen durch Waldgebiete, da das Wild seine gewohnten Wege beibehält.
  • Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und bei Nebel.
  • Tier am Straßenrand: Abblenden, Hupen, Geschwindigkeit verringern.
  • Ein Tier kommt selten allein. Autofahrer sollten stets mit Nachzüglern rechnen.
  • Lässt sich ein Zusammenstoß nicht verhindern: Bremsung einleiten, Lenkrad festhalten, in der Regel nicht ausweichen! Sonst könnte die Fahrt schnell im Gegenverkehr oder an einem Baum enden.

 Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

  • Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage anschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen und Polizei unter 110 anrufen. Sind Personen verletzt, muss der Notruf 112 gewählt werden.
  • Einem geflüchteten Tier nicht folgen. In der Unfallmeldung die Fluchtrichtung mitteilen und die Unfallstelle markieren. Dies gelingt z. B. mit einem weißen Papiertaschentuch, das an einen Ast oder Busch, von der Straße aus gut sichtbar, befestigt wird. Auch ein Einmalhandschuh aus dem Verbandskasten kann z. B. über den nächstgelegenen Leitpfosten gestülpt werden, um den Unfallort zu markieren. So kann der Jäger das verletze Tier leichter finden.

Hintergrundinformationen:

Das Tierfund-Kataster – Mitmachen und Leben retten!

Mit dem Tierfund-Kataster werden im Straßenverkehr verunfallte Wildtiere und andere Totfunde erstmals bundesweit systematisch erfasst. Die gesammelten Daten können helfen, Unfallschwerpunkte zu identifizieren und zu entschärfen. Über die zugehörige App lassen sich Daten unterwegs schnell erfassen. Sie ist kostenlos und für iPhone oder Android erhältlich. Alle Funde gibt es in interaktiven Karten und Diagrammen auf der Internetseite www.tierfund-kataster.de.