PM: Naturschutz auf Abwegen – kritik am NGP Wispertaunus

GeisenheimJohannisberg / Bad Nauheim, 24. Februar 2026

Der Landesjagdverband Hessen e. V. (LJV), die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und der Jagdverein Rheingau e. V. kritisierten heute auf einer Pressekonferenz das „Naturschutzgroßprojekt Wispertaunus“ der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Nach Auffassung der beteiligten Fachleute ist ein zusätzlicher naturschutzfachlicher Mehrwert gegenüber den bereits bestehenden Maßnahmen vor Ort nicht nachvollziehbar belegt – gleichzeitig drohen erhebliche Folgewirkungen für Kommunen, Wald und Jagd.

Zentrale Kritikpunkte:

  • Kein belegter Zusatznutzen: In den betroffenen Wäldern kommen seit Jahrzehnten oder sogar länger zahlreiche geschützte Arten vor. Ein belastbarer Mehrwert gegenüber bestehenden Strukturen und Maßnahmen ist aus Sicht der Jägerschaft und der Fachleute nicht erkennbar.
  • Waldstilllegung im Klimawandel ist Unsinn!“ Naturschutz, Klimaschutz, Rohstofferzeugung, Erholung und Arbeit werden in Hessen seit Jahrzehnten auf großer Fläche gemeinsam verfolgt. Flächenstilllegung wird als fachlich zu kurz gedacht und teilweise kontraproduktiv bewertet.
  • Finanzielle Risiken für Kommunen: Projektmittel/Entschädigungen sind zeitlich befristet. Nach Ablauf der Förderphase können Verpflichtungen und Folgekosten (z. B. Verkehrssicherung, Wegeunterhaltung, Mindererlöse) fortbestehen.
  • Rechtliche und förderrechtliche Rahmenbedingungen: Notwendig wären transparente Regelungen zu Grundbuchsicherungen, Vertragslaufzeiten und Exit‑Klauseln sowie zur Unvereinbarkeit mit anderen Förderprogrammen (Doppelförderung).
  • Jagd und Wege: Einschränkungen bei Jagdausübung und Wegezugang können die kontinuierliche Bejagung, die Bewirtschaftung und die Erreichbarkeit für Rettungskräfte beeinträchtigen.

Statements:

„Das NGP Wispertaunus bringt nach unserer Bewertung keinen relevanten Vorteil für den Natur‑ und Artenschutz. Stattdessen wird den vorhandenen Strukturen aus Forst‑ und Jagdverwaltung eine weitere Verwaltungsstruktur übergestülpt, die eher hinderlich ist. Am Ende drohen Einschränkungen der Nutzbarkeit von Staats‑ und Kommunalvermögen zu Lasten der steuerzahlenden Bürger – und der dringend notwendige Waldumbau wird blockiert, statt unterstützt.“

Markus Stifter, LJV-Pressesprecher und 1. Vorsitzender des Jagdvereins Rheingau e. V.

„Hier trifft Ideologie auf bewährte Praxis. In Hessen ist der Wald Sache der Forstverwaltung – Naturschutz ist dort seit langem Teil der multifunktionalen Forstwirtschaft. Der totale Nutzungsverzicht, der teuer abgekauft werden soll, ist aus fachlicher Sicht ein Fehlgriff. Das Programm ist überflüssig und in dieser Form eine erhebliche Geldverschwendung.“

– Dr. Wolfgang Dertz, ehem. Leiter der Hessischen Landesforstverwaltung im Landwirtschaftsministerium

„Der Rheingauer Wald ist kein Urwald, sondern über Jahrtausende menschlich geprägt – und gerade diese Entwicklung, zusammen mit Relief und Standortvielfalt, erklärt den Artenreichtum. Die Projektbegründung überzeugt uns nicht. Es dient nur zur Finanzierung einer NGO und zur Profilierung einzelner Personen auf Kosten des Steuerzahlers“.

– Hans‑Ulrich Dombrowsky, ehemaliger Forstamtsleiter (Forstamt Rüdesheim)

„Ausgleichszahlungen sind Entschädigungen für entgangene Gewinne – sie sind befristet, während die Sicherung der Projektziele nach den Förderrichtlinien auch nach Projektende gewährleistet sein muss. Gleichzeitig bestehen Risiken durch Grundbuchsicherungen und durch das Verbot der Doppelförderung – etwa mit dem Programm ‚Klimaangepasstes Waldmanagement‘.
Kommunen müssen diese Punkte vor Entscheidungen vollständig bewerten. Die Auswirkungen auf die kommunalen Vermögenshaushalte sind gravierend“.

– Dr. Heidrun Orth‑Krollmann, Sprecherin Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Hintergrund:

Das NGP Wispertaunus wird im Bundesförderprogramm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ geplant. In der Diskussion steht eine spätere Umsetzungsphase mit öffentlichen Mitteln in zweistelliger Millionenhöhe über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Verbände lehnen das Projekt in Gänze ab.