April 2026

Liebe Jägerinnen und Jäger,

die Auswertung der Zahlen der Feldhasenzählung im Rahmen des Wildtiermonitorings ist seit dem 1. April 2026 durch die neue Hessische Jagdverordnung dem Landesjagdverband Hessen übertragen worden. Diese Auswertung fließt ein in das wissenschaftlich begleitete und vom Deutschen Jagdverband betreute Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD).

Für das Jahr 2025 hat diese Auswertung zum dritten Mal in Folge einen Rekordwert von 19 Feldhasen pro Quadratkilometer Feld und Wiese in Deutschland ergeben. Dies ist das Ergebnis von Zählungen im Frühjahr 2025 in über 400 Referenzgebieten. Im Vergleich zur Zählung vor zwei Jahrzehnten liegt der Wert um mehr als ein Viertel höher. Besonders viele Feldhasen gibt es im Nordwestdeutschen Tiefland: Dort sind es im Schnitt 30 Tiere pro Quadratkilometer. Diese Ergebnisse hat der Deutsche Jagdverband (DJV) am 30. März 2026 veröffentlicht. Grundlage sind vorläufige Daten aus dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD), die Wissenschaftler ausgewertet haben. Ein Gradmesser für die Entwicklung der Hasenbestände ist die sogenannte Nettozuwachsrate. Wissenschaftler vergleichen hierfür die Werte von Frühjahrs- und Herbstzählungen eines Jahres. Im Jahr 2025 zeigt der bundesweite Wert eine leichte Zunahme von 7 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. Am höchsten fiel die Nettozuwachsrate im Westdeutschen Mittelgebirge aus – doppelt so hoch wie für Deutschland. Im Nordwest- und Nordostdeutschen Tiefland lag der Wert bei 12 Prozent. Im Jahr 2023 ist in Deutschland erstmals die Myxomatose bei Feldhasen aufgetreten, und zwar in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr wurde das Virus auch in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nachgewiesen. Der Einfluss der Krankheit auf die Feldhasenbestände ist noch nicht abzuschätzen. Die vorläufigen Ergebnisse der Feldhasenzählung zeigen aktuell bundesweit keine negative Auswirkung auf den Besatz. Wissenschaftliche Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen ergeben, dass sich schwer betroffene Bestände noch nicht erholt haben. In weniger betroffenen Regionen ist der Hasenbesatz hingegen stabil. Myxomatose ist für erkrankte Kaninchen und Feldhasen zumeist tödlich. Positiv für den Feldhasen war laut Deutschem Wetterdienst der trockene und milde Winter 2024/25. Auf ihn folgte eines der trockensten Frühjahre seit Messbeginn – besonders im Nordosten. Davon hat das ursprüngliche Steppentier profitiert. Der Feldhase ist zudem angewiesen auf strukturreiches Offenland mit Brachen und Blühstreifen – ebenso wie Feldlerche oder zahlreiche Insektenarten. Im Vergleich zu den 1970er Jahren hat der Feldhase deutlich weniger optimalen Lebensraum zur Verfügung. Der DJV fordert Anreize aus der Politik, die unbürokratisch, naturschutzfachlich hochwertig und wirtschaftlich interessant für Landwirte sind. Der DJV empfiehlt eine Mindestbreite für Blühflächen von 20 Metern. Verteilt sollten sie möglichst gleichmäßig sein. Waldränder sind weniger gut geeignet. Vor allem die Jagd ist eine wichtige Stellschraube für Leitarten wie Feldhase, Feldhamster und Rebhuhn. Das vom LJV Hessen angestoßene und auf fünf Jahre angelegte Projekt zur Prädatorenbejagung in Teilen der Wetterau soll hier wichtige Erkenntnisse bringen.

Liebe Jägerinnen und Jäger, zählen Sie in Ihren Revieren in diesem Frühjahr den Hasenbesatz! Die Zahlen sind sehr wichtig, um in der Politik faktenbasiert auftreten zu können. Denken Sie daran, dass ab dem 1. April 2026 die Zahlen an den LJV Hessen zu senden sind und nicht mehr an die Unteren Jagdbehörden. Sollten Sie Ihre Zahlen bereits an eine Untere Jagdbehörde gesandt haben, senden Sie diese bitte jetzt nochmal an den LJV Hessen. Die Geschäftsstelle in Bad Nauheim steht Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung.

Liebe Jägerinnen und Jäger, soweit Sie eine Förderung aus der Jagdabgabe beantragen wollen, ist ab dem 1. April 2026 die neue Förderrichtlinie mit ihrer Übergangsregelung maßgeblich. Denken Sie daran, dass Ihre Anträge in den meisten Fällen bis zum 1. Mai 2026 bei der Oberen Jagdbehörde (Regierungspräsidium Kassel) gestellt werden müssen. Wenn Sie dazu fragen haben, empfiehlt es sich, direkt in Kassel bei den zuständigen Mitarbeitern anzurufen. Ihnen werden dort die notwendigen und sachdienlichen Hinweise gegeben. Sie können natürlich auch in der Geschäftsstelle in Bad Nauheim wegen einer vorläufigen Einschätzung nachfragen.

Liebe Jägerinnen und Jäger, ich wünsche Ihnen alles Gute und Waidmansheil.

Ihr Jürgen Ellenberger

Prof. Dr. Jürgen Ellenberger

Präsident des Landesjagdverbandes