Wildtiermonitoring in Hessen: Gemeinsam zählen, Daten sichern, Jagd erhalten

Drei Informationsabende für die hessischen Hegegemeinschaften führten den Landesjagdverband Hessen Ende September und Anfang Oktober nach Nord-, Mittel- und Südhessen. Im Mittelpunkt standen das neue Wildtiermonitoring, die künftige Rolle der Hegegemeinschaften sowie aktuelle Entwicklungen beim Wolfsmanagement. Die zentrale Botschaft: Belastbare Daten aus den Revieren werden für die Zukunft der Jagd immer wichtiger.

Mit drei regionalen Informationsabenden hat der Landesjagdverband Hessen im Herbst den direkten Austausch mit den hessischen Hoch- und Niederwildhegegemeinschaften gesucht. Den Auftakt bildete am 24. September Knüllwald in Nordhessen, gefolgt von Hüttenberg in Mittelhessen am 29. September und Stockstadt in Südhessen am 1. Oktober 2026.

In Hüttenberg begrüßte LJV-Vizepräsident Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann die Teilnehmer. Foto: Markus Stifter
Stifter/LJV Hessen

In Stockstadt eröffnete LJV-Vizepräsident Maarten Fijnaut den Informationsabend. An allen drei Standorten standen zwei Themenkomplexe im Mittelpunkt: die Neuorganisation des Wildtiermonitorings in Hessen und aktuelle Fragen rund um Wolfsmonitoring und Wolfsmanagement.

LJV-Vizepräsident Maarten Fijnaut bei der Eröffnung der Veranstaltung in Stockstadt. Foto: Markus Stifter
Stifter/LJV Hessen

LJV-Niederwildreferentin Dr. Nadine Stöveken und LJV-Pressesprecher Markus Stifter stellten anschließend in einem ausführlichen Vortrag die seit dem 1. April 2026 geltenden Neuerungen beim Niederwildmonitoring sowie die Planungen für das künftige digitale Wildtiermonitoring vor. Dabei gingen sie intensiv auf die Fragen der Teilnehmer ein und nahmen zahlreiche Anregungen und Impulse aus der Praxis mit. Die weitere Entwicklung des Systems soll im kommenden Jahr ausdrücklich in enger Abstimmung mit den Hegegemeinschaften erfolgen, damit ihre Erfahrungen und Anforderungen unmittelbar in die praktische Ausgestaltung einfließen können.

Hegegemeinschaften bleiben starke Partner des LJV

Eine wichtige Botschaft zog sich durch alle drei Veranstaltungen: Die Hegegemeinschaften genießen im Landesjagdverband eine hohe Wertschätzung. Ihre gewachsene Bedeutung für Hege, Wildbewirtschaftung und den fachlichen Austausch vor Ort soll erhalten und weiter gestärkt werden.

Das gilt insbesondere für das Niederwildmonitoring. Seit dem 1. April 2026 gehört das Monitoring der Wildbestände zu den Aufgaben, die der Landesjagdverband nach der Hessischen Jagdverordnung wahrnehmen soll.

Die Hegegemeinschaften sollen dabei auch künftig eine Schlüsselrolle übernehmen. Im geplanten digitalen Wildtiermonitoring sollen sie eigene administrative Zugänge erhalten und ihre Mitgliedsreviere bei Organisation, Datenerfassung und Plausibilitätsprüfung unterstützen können. Gleichzeitig sollen Jagdausübungsberechtigte ihre Daten möglichst einfach selbst eingeben können.

Der LJV machte deutlich: Die Digitalisierung soll die Hegegemeinschaften entlasten und stärken – nicht zusätzliche Bürokratie schaffen.

Neues digitales System stößt auf positive Resonanz

Die vorgestellten Pläne für ein modernes digitales Erfassungssystem wurden bei den Informationsabenden grundsätzlich sehr positiv aufgenommen. Ziel ist eine einfache, praxisnahe Anwendung, die perspektivisch direkt auf dem Smartphone genutzt werden kann und den Revierinhabern zugleich einen echten Mehrwert bietet.

LJV-Präsident Prof. Dr. Jürgen Ellenberger treibt die Entwicklung eines solchen modernen Erfassungssystems im Verband wesentlich voran. Statt Zählergebnisse mehrfach auf Papier, in Tabellen und Formularen zu übertragen, sollen Daten künftig möglichst unmittelbar dort erfasst werden, wo sie entstehen – draußen im Revier.

Perspektivisch sollen Revierinhaber ihre eigenen Frühjahrs- und Herbstzählungen vergleichen, Entwicklungen über mehrere Jahre verfolgen und wichtige Kennzahlen automatisiert auswerten können. Auch anonymisierte Vergleichsmöglichkeiten innerhalb einer Hegegemeinschaft sind vorgesehen. Die Datenhoheit soll dabei bei der hessischen Jägerschaft bleiben.

Sollten Hegegemeinschaften bei der Einführung Unterstützung benötigen, steht der LJV zur Verfügung: beispielsweise mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Videoanleitungen oder ergänzenden Videokonferenzen. Auch weitere Schulungsangebote im Rahmen von Präsenzveranstaltungen für 3-4 Hegegemeinschaften vor Ort sind vorgesehen.

Feldhasenzählung: Daten seit dem 1. April 2026 direkt an den LJV

Bei den Veranstaltungen wurde zudem eine wichtige Änderung nochmals klargestellt: Die Ergebnisse der Frühjahrs- und Herbsttaxationen beim Feldhasen werden nicht mehr an die Unteren Jagdbehörden übermittelt. Ansprechpartner für das Niederwildmonitoring ist der Landesjagdverband Hessen.

Gerade diese Abläufe soll das neue digitale System künftig deutlich vereinfachen.

Unabhängig davon bleiben die besonderen Vorgaben für eine Bejagung des Rebhuhns bestehen. Wer Rebhühner bejagen möchte, muss die Bejagungsabsicht und die vorgesehene Zahl zu erlegender Rebhühner weiterhin rechtzeitig bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde anzeigen.

Nach der geltenden Hessischen Jagdverordnung ist eine Bejagung nur möglich, wenn im Frühjahr eine Besatzdichte von mehr als 3,0 Revierpaaren je 100 Hektar bejagbarer Offenlandfläche festgestellt wurde und der Zuwachs zum 1. September mehr als 250 Prozent beträgt. Die Strecke darf höchstens 15 Prozent des Herbstbesatzes ausmachen.

Die Art der Bestandserfassung kann dabei nach den Hinweisen der Informationsabende den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden, beispielsweise durch die Verhörmethode. Entscheidend ist, dass Frühjahrsbesatz und Herbstzuwachs belastbar ermittelt werden.

Alexander Michel: „Bitte zählen und Daten melden!“

LJV-Geschäftsführer Alexander Michel appellierte an allen drei Veranstaltungsorten eindringlich an die Vertreter der Hegegemeinschaften, die Reviere zur Teilnahme am Monitoring zu motivieren.

Denn auch das beste digitale System kann nur funktionieren, wenn möglichst viele Reviere regelmäßig zählen und ihre Ergebnisse übermitteln.

Langfristige Datenreihen besitzen einen besonderen Wert. Beim Feldhasen reichen die hessischen Monitoringaktivitäten bis in die frühen 1990er Jahre zurück. Erst durch kontinuierliche Erhebungen lassen sich Bestandsentwicklungen nachvollziehen, regionale Unterschiede erkennen und Veränderungen fachlich einordnen.

Gerade beim Niederwild können belastbare Daten entscheidend sein, wenn es darum geht, eine nachhaltige Bejagung fachlich zu begründen. Das Hessische Landwirtschaftsministerium unterstreicht ebenfalls, dass regelmäßige Erfassungen von Feldhase und Rebhuhn eine Grundlage für eine maßvolle und nachhaltige Bejagung bilden.

Michels Appell deshalb: Zählen, Daten übermitteln und auch Nachbarreviere zum Mitmachen bewegen. Je dichter das Netz der teilnehmenden Reviere wird, desto aussagekräftiger wird das Monitoring – und desto stärker ist die Datengrundlage der hessischen Jägerschaft.

Wolfszentrum informiert über Monitoring und Management

Der zweite Teil der Veranstaltungen widmete sich dem Wolf. Vertreter des Wolfszentrums Hessen (WZH) informierten über das Wolfsmonitoring, welches vom LJV und dem WZH als Monitoringpartner gemeinsam umgesetzt wird, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie das aktuelle Wolfsmanagement.

Dabei wurde auch deutlich, wie wichtig Meldungen aus der Jägerschaft sind. Sichtungen und insbesondere geeignete Aufnahmen aus Wildkameras können wichtige Hinweise für das Monitoring liefern.

Eine aktuelle Entwicklung konnte bereits bei der Veranstaltung in Hüttenberg aufgegriffen werden: Am 28. September 2026 hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Beschwerden mehrerer Naturschutzverbände gegen den revierübergreifenden Managementplan zurückgewiesen. Der VGH stellte fest, dass die Freigabe zur Entnahme juveniler Wölfe sowie die Beschränkung auf den Lahn-Dill-Kreis rechtlich nicht zu beanstanden sind.

Damit ist die Bejagung derzeit wieder möglich. Nach aktuellem Stand vom 03.10.2026, 12.00 Uhr sind noch zwei juvenile Wölfe ausschließlich im Lahn-Dill-Kreis bis zum 31. Oktober 2026 freigegeben. Jagdausübungsberechtigte müssen sich vor einem möglichen Abschuss auf der Internetseite der Oberen Jagdbehörde unter dem Punkt „Wolfsmanagement“ darüber informieren, wie viele Wölfe aktuell noch freigegeben sind.

Parallel dazu bleibt eine Entnahme nach den gesetzlichen Regelungen für problematische beziehungsweise schadensverursachende Wölfe möglich. Eine solche Entnahme wird auf die im Managementplan festgelegte Zahl angerechnet. Sollte ein entsprechender Wolf erlegt werden, kann sich deshalb auch die Zahl der noch freigegebenen juvenilen Wölfe reduzieren.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Nach drei Informationsabenden in Nord-, Mittel- und Südhessen bleibt für den LJV eine zentrale Erkenntnis:

Wildtiermonitoring ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

Die Hegegemeinschaften bilden dabei ein wichtiges Bindeglied zwischen Verband und Revieren. Der LJV will ihre Rolle weiter stärken und zugleich mit moderner Technik dafür sorgen, dass Datenerfassung künftig einfacher und der Nutzen für die Revierinhaber größer wird.

Entscheidend bleibt jedoch die Beteiligung draußen im Revier. Denn belastbare Daten entstehen nicht am Schreibtisch.

Deshalb der gemeinsame Appell des LJV: Zählen Sie mit, melden Sie Ihre Daten und motivieren Sie auch Ihre Nachbarreviere zur Teilnahme. Je vollständiger unsere Datenbasis wird, desto besser können wir Wildbestände beurteilen und eine nachhaltige Jagd in Hessen auch in Zukunft fachlich begründen und damit sichern.

Autor und Fotograf: Markus Stifter, LJV-Pressesprecher