Der Wald ist mehr als Kulisse: Jägerschaft wirbt bei Green Trails für Rücksicht auf Wildtiere und Natur

Landesjagdverband Hessen setzt beim größten Mountainbike-Trail-Projekt Europas auf Dialog, Besucherlenkung und wildverträgliche Lösungen

Bad Wildungen, 29. Mai 2026. Die Green Trails im Landkreis Waldeck-Frankenberg gelten nach Angaben des projektverantwortlichen Zweckverbands „Green Trails“ als größtes Mountainbike-Trail-Projekt Europas. Für die Region ist das Projekt eine Chance: Es bietet Mountainbikern attraktive, ausgewiesene Strecken, stärkt den Tourismus und kann dazu beitragen, die Nachfrage nach legalen Angeboten zu bündeln. Gleichzeitig bringt eine zunehmende Nutzung des Waldes neue Herausforderungen mit sich – für Wildtiere, Pflanzen, Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutz.

Der Landesjagdverband Hessen e. V. wirbt deshalb anlässlich seines Pressegesprächs beim Landesjägertag 2026 für einen konstruktiven Dialog und klare Regeln, damit die Green Trails wildverträglich gestaltet und genutzt werden können.

Wichtig ist: Die Strecken führen durch heimische Wälder. Dort leben Wildtiere, dort wachsen junge Bäume und Pflanzen, dort brüten Vögel. Der Wald ist kein reiner Freizeitpark, sondern ein sensibler Naturraum“,

erklärt Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen.

Aus Sicht der Jägerschaft kommt es vor allem darauf an, die Nutzung der Trails so zu begleiten, dass Wildtiere nicht unnötig gestört werden. Mountainbiker können von Wildtieren anders wahrgenommen werden als Spaziergänger oder Wanderer. Während sich Fußgänger durch Schritte, Gespräche oder langsamere Bewegungen häufig frühzeitig ankündigen, tauchen Fahrräder auf Trails oft plötzlich und mit höherer Geschwindigkeit auf. Das kann Wildtiere erschrecken und Fluchtreaktionen auslösen.

„Wildtiere brauchen Rückzugsräume und Ruhephasen. Das gilt ganz besonders während der Brut- und Setzzeit“,

betont Ellenberger.

„Wer mit dem Mountainbike im Wald unterwegs ist, sollte sich bewusst sein, dass er sich mitten im Lebensraum von Tieren bewegt. Wenn brütende Vögel durch wiederholte Störungen ihre Nester verlassen, kann dies Beutegreifer auf Gelege oder Jungvögel aufmerksam machen. Rücksicht im Wald ist deshalb aktiver Natur- und Artenschutz.“

Der LJV Hessen spricht sich dafür aus, die Green Trails konsequent mit Besucherlenkung, Information und klaren Verhaltensregeln zu begleiten. Dazu gehört insbesondere, dass ausgewiesene Strecken nicht verlassen und nicht eigenmächtig erweitert werden. Denn auch ein gutes legales Angebot kann zusätzliche Mountainbiker in die Region ziehen. Umso wichtiger ist es, Nutzer frühzeitig zu informieren und für das richtige Verhalten im Wald zu sensibilisieren.

Christian Ranft, Vorsitzender der Jagdschutzvereinigung Edertal, setzt ebenfalls auf ein Miteinander:

„Wir möchten nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten, sondern um Verständnis werben. Wenn die Green Trails dazu beitragen, Mountainbiker auf ausgewiesene Strecken zu lenken, ist das zunächst ein guter Ansatz. Entscheidend ist aber, dass Jäger, Forst, Kommunen, Projektverantwortliche und Mountainbiker frühzeitig miteinander sprechen und die Regeln dann auch eingehalten werden.“

Dazu zählen aus Sicht der Jägerschaft insbesondere Nachtfahrtverbote, das konsequente Befahren nur der ausgewiesenen Trails sowie die Rücksicht auf sensible Bereiche. Auch die Ausweisung von Wildruhezonen oder eine „Winterruhe“ für bestimmte Streckenabschnitte können sinnvolle Bausteine sein, um Freizeitnutzung und Schutzbedürfnisse der Wildtiere besser miteinander in Einklang zu bringen.

Positive Erfahrungen gibt es bereits aus anderen Regionen. Bei einem früheren Austausch zwischen Jägern und Vertretern der Deutschen Initiative Mountainbike im Main-Taunus-Kreis wurde deutlich, wie wichtig direkte Gespräche sind. Dort stand ebenfalls im Mittelpunkt, Verständnis für die gemeinsame Nutzung des Naturraums zu schaffen, gegenseitig ins Gespräch zu kommen und organisierte Mountainbiker als Multiplikatoren einzubinden. Gerade sie können innerhalb der Mountainbike-Szene glaubwürdig vermitteln, warum Rücksichtnahme, das Einhalten von Wegen sowie der Verzicht auf Fahrten in Dämmerungs- und Nachtzeiten wichtig sind.

„Wir brauchen keine Fronten, sondern Partner“,

sagt Prof. Dr. Ellenberger.

„Wenn Mountainbiker selbst erklären, warum man auf den ausgewiesenen Trails bleiben, Ruhezonen respektieren und sensible Zeiten beachten sollte, kommt diese Botschaft oft besser an. Genau diesen Weg möchten wir auch bei den Green Trails gehen.“

Der Landesjagdverband Hessen bietet daher an, sich mit seiner wildbiologischen und jagdpraktischen Erfahrung auch über den Jagdschutzverein Edertal e. V. aktiv in die weiteren Planungen einzubringen. Ziel ist eine Lösung, die Freizeitnutzung ermöglicht, aber zugleich Wildtiere, Wald und Natur respektiert.

„Die Green Trails können ein gutes Beispiel dafür werden, wie moderne Freizeitnutzung und Verantwortung für die Natur zusammengebracht werden“,

so Ellenberger abschließend.

„Dafür braucht es Dialog, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, den Wald nicht nur als Kulisse, sondern als lebendigen Naturraum wahrzunehmen.“