Erstmals seit Beginn des Seuchengeschehens wurde im gesamten August 2026 in Hessen kein neuer positiver Fall der Afrikanischen Schweinepest festgestellt. Das ist eine wichtige und erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig mahnt der ASP-Führungsstab im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) weiter zu hoher Wachsamkeit. Denn die kommenden Wochen und Monate sind entscheidend dafür, ob weitere Sperrzonen verkleinert werden können.
Seit dem ersten ASP-Nachweis in Südhessen am 15. Juni 2024 haben Behörden, Landkreise, Veterinäre, Schweinehalter und die Jägerschaft enorme Anstrengungen unternommen, um die Ausbreitung der Tierseuche einzudämmen. Festzäune, Weiße Zonen, Elektrozäune, intensive Kadaversuchen und vor allem die massive Reduktion der Schwarzwildbestände haben dazu beigetragen, das Seuchengeschehen zunehmend unter Kontrolle zu bringen.
Dass im August hessenweit kein weiterer Positivfall festgestellt wurde, ist deshalb ein wichtiges Signal. Für eine Entwarnung ist es jedoch noch zu früh.
Südhessen: Letzte positive Fälle stammen aus dem Juli
In den Kreisen Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg und Bergstraße wurden die letzten ASP-positiven Fälle im Juli 2026 festgestellt.

Die intensiven Kadaversuchen werden dennoch fortgesetzt. Gleichzeitig liegt der Schwerpunkt der Bekämpfungsmaßnahmen derzeit vor allem auf der weiteren Reduktion des Schwarzwildbestandes.
Gerade in bereits stark durchseuchten Gebieten bleibt dies von großer Bedeutung. Auch wenn über Wochen oder Monate keine neuen positiven Fälle auftreten, können beispielsweise verbliebene Knochenreste oder anderes infektiöses Material in der Landschaft noch ein Risiko darstellen.
Treffen solche Infektionsquellen auf einen wieder anwachsenden Schwarzwildbestand, kann sich das Virus erneut ausbreiten. Je höher die Wildschweindichte in einem solchen Gebiet ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass aus einzelnen Neuinfektionen wieder ein lokaler Hotspot entsteht.
Genau dies soll mit einer weiterhin konsequenten Schwarzwildbejagung verhindert werden.
Rheingau: Schwarzwildbestand wieder gestiegen
Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin auch dem Rheingau.
Nach Angaben des ASP-Führungsstabes haben sich die Schwarzwildbestände seit der intensiven Reduktion vor dem Rückstufungsantrag im Frühjahr wieder deutlich erhöht.
Damit gewinnt die Bejagung in diesem Bereich erneut an Bedeutung. Denn die weitere Entwicklung der Schwarzwildbestände ist ein wichtiger Faktor für die Frage, welche Gebiete in einem nächsten Schritt aus den bestehenden Restriktionen entlassen werden können.
Auch der Rhein bleibt weiterhin unter besonderer Beobachtung. Zwar wird das Risiko eines ASP-Eintrags durch sogenannte Schwemmschweine aufgrund der aktuellen Entwicklung inzwischen geringer eingeschätzt. Dennoch muss der Rhein als möglicher Ausbreitungsweg weiterhin berücksichtigt werden.
Neuer Rückstufungsantrag wird vorbereitet
Hessen und Rheinland-Pfalz bereiten derzeit erneut einen gemeinsamen Antrag zur Rückstufung bestehender ASP-Sperrzonen vor.
Grundlage hierfür sind unter anderem die Daten zur Schwarzwilddichte, die von den betroffenen Kreisen bis zum 31. August 2026 gemeldet wurden. Diese Angaben werden derzeit ausgewertet.
Anschließend soll entschieden werden, welche Gebietskulisse für eine weitere Verkleinerung der Sperrzonen vorgeschlagen werden kann.

Entscheidend ist dabei, dass gegenüber der Europäischen Union nachvollziehbar dargestellt werden kann, dass von den betreffenden Gebieten keine relevante Gefahr einer Neuinfektion mehr ausgeht.
Neben dem vorgeschriebenen zeitlichen Abstand zu den letzten positiven ASP-Fällen fließen unter anderem die aktuelle Schwarzwildpopulation, Streckenzahlen sowie die vorhandenen Zaunverläufe in die Bewertung ein.
Im Oktober sollen die Daten für den Antrag nochmals aktualisiert werden. Voraussichtlich im November soll der gemeinsame Antrag von Hessen und Rheinland-Pfalz im zuständigen EU-Ausschuss SCoPAFF vorgestellt werden.
Eine Entscheidung könnte dann bei der darauffolgenden Sitzung am 8. oder 9. Dezember 2026 fallen.
Damit könnten sich noch vor Jahresende wichtige Perspektiven für weitere Regionen ergeben.
Nordhessen: Schutzmaßnahmen gegenüber Nordrhein-Westfalen laufen weiter
Auch in Nordhessen bleibt die Lage angespannt, obwohl sich die Situation auf hessischem Gebiet zuletzt nicht weiter verschärft hat.
Seit dem 27. Mai 2026 musste die Sperrzone auf hessischer Seite nicht mehr erweitert werden.
Insbesondere im Lahn-Dill-Kreis finden jedoch weiterhin intensive Suchmaßnahmen statt. Grund dafür ist die räumliche Nähe zu ASP-positiven Fällen in Nordrhein-Westfalen.
Parallel dazu laufen weitere Zäunungsmaßnahmen in enger Abstimmung zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Landesgrenze ist im betroffenen ASP-Gebiet inzwischen vollständig einfach gezäunt.
Im Lahn-Dill-Kreis sowie im Kreis Waldeck-Frankenberg wird derzeit länderübergreifend eine Weiße Zone aufgebaut. Im Bereich des Landkreises Marburg-Biedenkopf verfolgt Nordrhein-Westfalen nach aktuellem Stand die Einrichtung einer Weißen Zone innerhalb des eigenen Landesgebietes.
Die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zeigt zugleich, wie schnell sich die Lage verändern kann. Entsprechend bleibt die Vorsorge in Nordhessen ein wichtiger Bestandteil der hessischen ASP-Strategie.

Jetzt kommt es erneut auf die Jägerschaft an
Die derzeitige Entwicklung gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Dass im gesamten August kein positiver ASP-Fall mehr festgestellt wurde, ist ein bedeutender Zwischenerfolg.
Dieser Erfolg darf jedoch nicht dazu führen, in den Anstrengungen nachzulassen.
Der ASP-Führungsstab bittet deshalb weiterhin alle Jägerinnen und Jäger um erhöhte Wachsamkeit und um eine konsequente Reduktion des Schwarzwildes insbesondere in den Sperrzonen I und II.
Gerade dort, wo sich die Schwarzwildbestände nach einem Seuchenzug wieder erholen, steigt das Risiko eines erneuten Infektionsgeschehens.
Die intensive Bejagung bleibt deshalb neben Kadaversuche, Monitoring und der Sicherung der Zauninfrastruktur einer der wichtigsten Bausteine der ASP-Bekämpfung.
Die kommenden Wochen können entscheidend dafür sein, ob weitere Gebiete aus den bestehenden Restriktionen entlassen werden können.
Die Jägerschaft hat in den vergangenen zwei Jahren einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die ASP in Hessen einzudämmen. Jetzt gilt es, diesen Einsatz fortzusetzen und die erreichten Erfolge zu sichern.




