Das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) fördert ein umfassendes Artenschutzprojekt des Landesjagdverbandes Hessen zum Schutz bedrohter Wiesenbrüter in der südlichen Wetterau. Der Bewilligungsbescheid wurde am 25. Februar 2026 durch Staatssekretär Michael Ruhl (CDU) übergeben.
Das Hauptziel des auf fünf Jahre geplanten Projektes besteht darin, die Lebensbedingungen gefährdeter Bodenbrüter wie Kiebitz und Bekassine nachhaltig zu verbessern. Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Aufwertung des Lebensraums, einschließlich Renaturierungen der Nidda, extensiver Grünlandbewirtschaftung sowie gezielter Vernässungsmaßnahmen – blieben die erhofften Bestandszuwächse bislang oft hinter den Erwartungen zurück. Die Hauptursache hierfür ist der weiterhin hohe Prädationsdruck.
„Die Jägerschaft vor Ort engagiert sich seit Jahren mit großem persönlichem Einsatz für den Erhalt des Niederwildes. Mit der nun möglichen professionellen Koordination können wir dieses Engagement gezielt auf besonders sensible Wiesenvogelbereiche ausweiten. Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie Naturschutz, Jagd und regionale Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die südliche Wetterau ist ein ökologisch wertvoller Raum. Wir wollen sicherstellen, dass dort investierte Naturschutzmittel ihre volle Wirkung entfalten“,
betonte Staatssekretär Michael Ruhl (CDU).
Bereits deutliche Bestandszuwächse bei Feldhasen und Rebhuhn
In der rund 2.000 ha großen Kulisse zwischen Niddatal-Ilbenstadt und Bad Vilbel sollen im Rahmen des Projektes nicht nur die bereits durchgeführten Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung, sondern auch die vorhandenen Kiebitz-Schutzzäune durch eine gezielte, übergreifend koordinierte Reduzierung besonders relevanter Prädatoren ergänzt werden. Ein Berufsjäger wird die Maßnahmen planen, abstimmen und fachlich begleiten. Dabei werden vorhandene Strukturen der Hegegemeinschaft Friedberg-Süd genutzt, die bereits seit Jahren erfolgreich Niederwildhege betreibt und deutliche Bestandszuwächse bei Rebhuhn und Feldhase vorweisen kann.
„Als gesetzlich anerkannter Naturschutzverband setzt der Landesjagdverband Hessen seine bisher intensiv betriebene Arbeit für den Artenschutz mit diesem Projekt fort. In einem großräumigen Gebiet in der Wetterau wird gemeinsam mit Jagdpächtern vor Ort gezielt Prädatorenbejagung betrieben, um dem Niederwild, insbesondere dem Rebhuhn und dem Feldhasen, aber auch anderen Arten wie beispielsweise Wiesenbrütern ein Überleben und eine Bestandsaufstockung zu ermöglichen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit präsentiert“,
so Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen e. V.
Reduzierung des Prädationsdrucks ist eine entscheidende Stellschraube der Niederwildhege
„Unbestritten ist neben der Verbesserung des Lebensraums die Minderung eines hohen Prädationsdruckes auf viele Arten des Offenlands entscheidend für die Bemühungen, deren Überleben in unserer Kulturlandschaft zu sichern und ihre Populationen zu stabilisieren. Das Mittel der Wahl auf größerer Fläche ist die jagdliche Bestandskontrolle der Beutegreifer wie Fuchs, Waschbär & Co.: eine zeitraubende und aufwändige Aufgabe der Revierinhaber. Das vom Land Hessen geförderte Projekt ermöglicht erstmals, im Auftrag der Jagdausübungsberechtigten eine gezielte professionelle Raubwildbejagung über die Reviergrenzen hinweg realisieren und Ressourcen bündeln zu können“,
so Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Hessen e. V.
DJV fördert das Leuchtturmprojekt
„Der DJV unterstützt dieses Projekt sehr gern, auch finanziell. Es soll als Vorzeigeprojekt in Hessen zeigen: Jäger beweisen in ihrer Doppelfunktion als Mitglieder eines anerkannten Naturschutzverbandes, dass ihr Engagement nicht nur klassischen jagdbaren Arten wie Hase oder Rebhuhn zugutekommt, sondern auch vielen anderen Arten, allen voran den Bodenbrütern wie dem Kiebitz. Ich stelle fest, dass auch der amtliche Naturschutz seine ideologisch geprägten Vorbehalte gegen ein intensives Prädationsmanagement und die Fallenjagd in den letzten Jahrzehnten revidiert hat. In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, wie wir etwa um die Rabenvogelbejagung kämpfen mussten. Zugleich sehe ich Initiativen in Deutschland, die die Fuchsjagd zum Erliegen bringen wollen.
Wir Jäger sollten auch in unserer Nachbarschaft immer wieder betonen: Vor „schönem Wohnen“ kommt „nicht gefressen werden“,
bekräftigt Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes e. V. (DJV).
Vertrauensvolle ressortübergreifende Zusammenarbeit
Die bereits vorhandene sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz, dem Amt für den ländlichen Raum sowie der Unteren Jagdbehörde bildet eine weitere hervorragende Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes. Die südliche Wetterau zählte zu den bedeutendsten Brutgebieten für Wasser-, Wat- und Wiesenvögel in Hessen. In den vergangenen Jahren wurden hier erhebliche öffentliche Mittel in Artenschutz-, Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen investiert.
Mit der zugesagten Förderung kann nun ein entscheidender Baustein ergänzt werden, um diese Investitionen langfristig wirksam zu machen. Das Ziel besteht darin, gefährdeten Arten wieder eine erfolgreiche Reproduktion auf größerer Fläche zu ermöglichen – nicht nur innerhalb von Schutzzäunen, sondern im gesamten Offenlandkomplex der südlichen Wetterau. Mit der Förderung unterstreicht das Land Hessen die Bedeutung integrierter Artenschutzstrategien und die enge Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort. Weitere Förderer dieses Projektes sind der Deutsche Jagdverband, die Gerty-Strohm-Stiftung sowie die Fa. Leica.

Von links: Helmut Dammann-Tamke (DJV-Präsident), Person1, Person2, Person3, Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann (LJV-Vizepräsident), Fabian Best (Berufsjäger), Patrick Rauber (Leica), Staatssekretär Michael Ruhl (CDU) und Prof. Dr. Jürgen Ellenberger (Präsident des Landesjagdverbandes Hessen). Foto: Markus Stifter




