Rebhuhnmonitoring

Claus Deußer von der Hegegemeinschaft Wiesbaden/Ost verhört im Revier Kloppenheim Rebhühner nach der Punkt-Stopp-Methode

Rebhuhnerfassung

Link: Verhören mit der Klangattrappe

Rebhuhnzählung

Jäger in ganz Hessen sind mit Handy und Lautsprecher unterwegs

In den Feldern Hessens ist in der Abenddämmerung noch bis Ende März häufig ein zirpendes Geräusch zu hören: Das Rebhuhn hat Paarungszeit. Mit dem Balzruf eines vermeintlichen Kontrahenten, der aus einem mobilen Lautsprecher ertönt, sind derzeit die Jägerinnen und Jäger unterwegs und hoffen auf die Antwort eines echten Rebhahns. Oft kommen die sonst sehr scheuen Vögel bis auf wenige Meter herangeflogen, um den „Konkurrenten“ zu vertreiben.

Hat sich ein Rebhahn gezeigt oder war dieser aus der Ferne zu hören, tragen die Jäger diese Beobachtung in einer Revierkarte ein. Ist auch nach fünf Minuten keine „Antwort“ des echten Rebhahnes zu hören, geht der Jäger auf seiner vorher in der Karte markierten Route 50 Meter weiter und spielt erneut den Balzruf des Hahns aus dem Lautsprecher ab. Die festgelegten Zählrouten müssen dabei mindestens 250 Meter auseinanderliegen, um eine doppelte Zählung zu vermeiden.

Zusammen mit weiteren Sichtungen der Balzpaare und später im Jahr auch der Familiengruppen, den sogenannten Ketten, erhalten die Jäger einen guten Überblick über die Anzahl und die Entwicklung der Rebhühner und können so Ihre Hegemaßnahmen an die in Ihrem Revier vorliegenden Gegebenheiten anpassen.

Damit das Rebhuhn in den heimischen Feldern wieder eine Chance bekommt, müssen drei Faktoren stimmen: Nahrung, Deckung und der Schutz vor Beutegreifern. In den Revieren des Rebhuhnhegerings Wetterau unterstützen die Jäger die Rebhühner durch Aufstellen von speziellen Futtereimern, insbesondere in den kargen Wintermonaten und in den Zeiten der Kükenaufzucht bei der Suche nach Nahrung. Damit ausreichend schützende Deckung vorhanden ist und die Rebhühner ihre Gelege an einem sicheren Ort ausbrüten können, werden in den Revieren Blühstreifen angelegt und Flächen brach liegen gelassen.

Die zum Teil bunt blühenden Flächen locken zudem zahlreiche Insektenarten an, die in den ersten Lebenswochen eines Rebhuhnkükens überlebenswichtig sind. Doch auch der schönste Blühstreifen und die Unterstützung bei der Nahrungssuche helfen nicht, wenn die Rebhühner oder ihre Gelege von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär oder Marder gefressen werden. Mithilfe von Lebendfallen machen die Wetterauer Jäger daher verstärkt Jagd auf Fuchs, Waschbär und Co.

Dass die Maßnahmen erfolgreich sind, zeigen die ersten Ergebnisse. Anders als im deutschlandweiten Trend sind die Rebhuhnbesätze im Wetteraukreis stabil bis leichtzunehmend. In vielen Revieren schlagen die Hegemaßnahmen sehr gut an. In Reichelsheim konnte zum Beispiel im Sommer 2018 ein Rebhuhnvolk mit mehr als 50 Tieren beobachtet werden.

 

Hintergrundinformationen:

Die Rebhuhnbesätze sind seit den 1980er Jahren europaweit um 93 % gesunken, so ein Feldversuch von Dr. Eckhard Gottschalk an der Universität Göttingen. Viele Revierpächterinnen und -pächter verzichten deshalb schon seit vielen Jahren auf die Bejagung. Seit 2016 ist das Rebhuhn in Hessen ganzjährig geschont. Eine Bejagung des Rebhuhns wäre ab dem Jahr 2020/2021 möglich, sofern die Besatzdichte ausreichend ist und sich im Rahmen des jährlichen Zuwachses bewegt.